So langweilen Sie Ihre Kunden richtig

So langweilen Sie Ihre Kunden richtig

Written by ChiliConCharme

Topics: Psychologie

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Heute stieß ich auf der Arbeit auf eine Seite eines Softwareanbieters, die mich (einmal wieder) ein wenig hat schmunzeln lassen. Jedoch nicht, weil hier drauf etwas außergewöhnlich Lustiges geschrieben steht oder jemand ein tolles Video oder Bild eingestellt hat. Nein. Vielmehr schmunzel ich, weil dem nicht so ist. Daher möchte ich mich heute dem Thema widmen: Langeweile ja, aber dann bitte richtig.

Werbung ist um uns herum und all gegenwärtig. Und natürlich kommt man auch im Internet nicht drumherum. Ach was sag ich: So gut wie alle Unternehmenswebseiten beinhalten Werbung bzw. sind gar komplette Werbeseiten. Ist ja alles legitim und kann jeder machen wie er es für richtig hält nur: Wer möchte denn schon gerne freiwillig Werbung lesen?

Wenn jeder einzigartig sein will, machen sie es alle gleich

Aber zurück zur Seite des Softwareanbieters. Wobei es leider nicht nur dieser eine ist, denn finden tun Sie solche Werbefloskeln so ziemlich auf jeder. Vielleicht auch auf Ihrer? Auf meiner sind bestimmt auch noch welche, denn irgendwie scheint „es“ doch noch in uns drin zu stecken. Ein Umdenkungsprozess muss her. Anhand eines Beispiels möchte ich das mal demonstrieren.

Hier sehen Sie einen Screenshot mit einem Werbetext. Die Firma und das Unternehmensalter sind einfach ausgeblendet. Ersetzen Sie diese Lücken doch mal mit einer x-beliebigen anderen Softwarefirma, z.B. SAP, Microsoft oder IBM (es war keins von den drei Anbietern). Um den Text besser zu lesen, können Sie ihn mit einem Klick vergrößern:

Na, fällt Ihnen etwas auf? Richtig – dieser Text ist so ziemlich komplett austauschbar! Und dabei wurde wahrscheinlich viel Arbeit, Mühe und Geld in die Entwicklung eines toll-klingenden Werbetextes gesetzt.

Aber was ist passiert?

Im Grunde treffen hier psychologische Gegensätze aufeinander: Denn während wir alle individuell und einzigartig sein wollen bewegen wir uns trotzdem innerhalb der Normen. Das merkt man häufig bei Modeerscheinungen (Hose in den Stiefeln), beim Webdesign (Spiegel-/Glanzeffekte) und auch bei eben solchen typischen Texten. Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber wenn ich schon Wörter wie innovativ, bahnbrechend, beispiellos, unübertroffen, fundiert und entscheidend lese, krieg ich Pipi in die Augen…

Was kann man nun dagegen tun?

Wenn wir uns fragen, wie so ein Text zustande kommt, dann geht es, um am Beispiel des Softwareanbieters zu bleiben, nicht selten diesen Weg: Der Entwickler schreibt über das Produkt und schickt den Text ans Marketing. Das Marketing ersetzt das Wort Produkt durch Lösung und kringelt ein paar bunte Wortblumen hier und da hin. Dies wird ggf. noch der Geschäftsführung vor gelegt, die es oft auch nicht besser wissen und ihren Angestellten da voll vertrauen, was womöglich als Lob missverstanden wird. Jedenfalls kommt heraus, was herauskommen soll, wenn jeder es so macht: Nichts einzigartiges, nichts ansprechendes. Und wie Sie es vielleicht schon von der Werbung kennen: Nichts ist langweiliger und eintöniger als sich wiederholende Werbung.

Wenn Sie schreiben, beginnen Sie mit Ihren Kunden, nicht mit Ihrem Produkt

Wie schon gesagt, es ist ein Umdenkungsprozess, der nicht von heute auf morgen stattfindet. Ich denke, Blogger sind oft ein gutes Beispiel wenn es darum geht zu erkennen, wie im Zeitalter von Web 2.0 kommuniziert werden kann. Denn zunächst ist nicht Ihr Produkt wichtig, sondern der Mensch und seine Bedürfnisse. Daher:

  1. Wählen Sie eine Sprache und Ausdrücke, die nah beim Kunden sind, damit er sich besser mit Ihnen / Ihrem Unternehmen identifizieren kann
  2. Fragen Sie sich, in welcher Situation sich Ihr Kunde befindet und geben sie ihm Tipps, wie er sich helfen kann
  3. Bekommen Sie ein Gespür dafür, wie Ihre Kunden ticken und holen Sie sie ab: Zeigen Sie, dass sie sie in ihren Meinungen, Gedanken und Problemen verstehen und erzählen Sie was Sie tun um zu helfen
  4. Wenn Kunden kritisieren oder Sie etwas ärgert: Be smart

Mein Fazit ist daher: Wenn Sie sich von der Masse abheben wollen, brauchen wir nur wir selbst zu bleiben. Wirklich.

Linktipp (engl.): The Gobbledygook Manifesto — Cutting Edge! Mission Critical! An analysis of gobbledygook in over 388,000 press releases sent in 2006

Buchtipp (Amazon): Deutsch für Kenner: Die neue Stilkunde

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/21617436@N00/2221799366/

1 Kommentar Comments For This Post I'd Love to Hear Yours!

  1. Alexandra sagt:

    Wenn man deinen Artikel liest, klingt es so einfach. Und natürlich kann ich dir auch nur Recht geben. Es braucht letztendlich nicht viel, was einen Werbetext lesenswert macht. Aber das Problem liegt wohl wirklich darin, dass man sich nicht wirklich damit beschäftigt. Man gewöhnt sich ein paar Floskeln an, die man irgendwo doch schonmal gesehen und ganz ansprechend gefunden hat, hinterfragt wird von keiner Seite und das Ergebnis sieht man ja. Hoffen wir, dass sich der ein oder andere deine Tipps zu Herzen nimmt und wir zukünftig ein bisschen mehr Vielfalt erlebn können.

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