Der Elektrische Reporter und die Frau im Netz

Der Elektrische Reporter und die Frau im Netz

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Ich bin wahrlich kein Freund von Gender-Themen. Ehrlich gesagt, nerven sie mich bisweilen sogar. Das untere Interview über Frauen im Netz, ändert auch an dieser Ansicht auch nichts, ist aber als Diskussionsthema spannend. Das Video wurde für den Elektrische Reporter mit Interviewpartnerin Anke Domscheit-Berg erstellt, ihresgleichen IT-Managerin, mit eindrucksvollen Referenzen. Lesenswert zu diesem Beitrag ist auch der von Antje Schrupp – vor allem auch die Kommentare darunter.

Es sind genau zwei Versionen dieses Interviews online: Einmal die Kurzversion von gerade mal 4 Minuten Länge (leider sehr knapp und nicht empfehlenswert) und dann noch diese, knapp halbstündige Version:

Schade ist hier, dass die Fragen weder hörbar noch eingeblendet werden – aber gut. Es ist ja der Rohstoff für die eigentliche Sendung. Zumindest freue ich mich, dass das Interview trotzdem komplett im Netz steht, so haben wir alle eine wesentlich bessere Sicht der Dinge. Herausgepickt habe ich mir die unten stehende Punkte, die mir manchmal klar und manchmal nicht so recht einleuchten wollen. Teils sehe ich kein Männer-Frauen-Problem darin, teils meine ich Faulheit zu erahnen, teils Vorurteile und Schubladendenken. Ich weigere mich strickt gegen eine Vereinheitlichung Frauen-so, Männer-so – und rede auch alles schlecht, was wir uns an Unterschieden zwischen den Geschlechtern ein zureden möchten. Aber bitte, entscheidet selbst, was Ihr von den Punkten haltet:

  1. Männer werden besser bewertet als Frauen – bei gleicher Leistung
    Es ist in der Offline-Welt kein Geheimnis, dass Gehälter männlicher Arbeitnehmer im Schnitt höher sind als bei Frauen. Und wer mehr Geld verdient, wird auch mit mehr Anerkennung belohnt. Nun geht es in der Welt der Blogs und Sozialen Netzwerken nicht um Geld – aber um Anerkennung. Sehen wir uns die Zahlen einmal an: Derzeit liegt lt. Bitkom-Studie, der Frauenanteil im Netz bei 71% gegenüber derer der Männern mit 73%. Vor zwei Jahren war das noch ganz anders: Da waren gerade mal 60% der Frauen im Web unterwegs. Was das mit der Bewertung hat? Es kommt aus der Historie, als das Netz noch stark IT-lastig und somit wirklich noch eine Männerdomaine war: Sie hatten einfach sehr viel mehr Zeit sich im Netz zu etablieren als Frauen (Frauen hatten die Zeit natürlich auch, allerdings war es vielen zu technisch). Gleichzeitig haben Männer daher mehr Leser, mehr Links, mehr Zugriffe, mehr Erfahrung – und dadurch einfach mehr Aufmerksamkeit. Durch diesen Zeitvorsprung, genießen sie eine bessere Bewertung, bei gleicher Leistung.
  2. Frauen behandeln tendenziell emotionale Themen, wie Gesundheit, Bildung, Umwelt, Mode und Alltag. Männer schreiben mehr über Wirtschaft, IT und Politik
    Verurteilt wird dabei die Gesellschaftssicht, die „Frauenthemen“ als weniger hart sind als „Männerthemen“. Ich stelle mir die Frage: Hindert uns die Differenzierung von harten und weichen Themen nicht schon daran, einen objektiven Blick auf die Dinge zu verwenden? Relativiert wird es meiner Ansicht nach auch nicht damit, dass Frauen eine breitere Masse bedienen als Männer. Für mich ist das kein Frauenproblem, sondern generell die Tatsache, dass Blogs mit klare(re)n (Nischen)themen besser ankommen als eine breit gefächerte Themenvielfalt.
  3. Männer als Experten, werden den Frauen bevorzugt (z.B. für Fachartikel und Vorträge)
    Natürlich fällt es auf, dass mehr Männer auf Konferenzen sprechen als Frauen. Aber es ist leider auch auf BarCamps so, wo doch jeder etwas beitragen kann, darf und soll. Und ganz ehrlich: Wer sich nicht ins Rampenlicht stellt, darf sich nicht wundern, nicht gesehen zu werden. Klappern gehört zum Geschäft – nur Kompetenz hilft leider nicht. Gerade nicht bei suchfaulen Organisatoren, die sich entweder Leute empfehlen lassen oder schlichtweg nach Fachexperten in Businessnetzwerken oder über Suchmaschinen suchen. Beides sind Bereiche, in denen Expertinnen viel mehr tun könnten – auch und vor allem außerhalb der eigenen Reihen!
  4. Blogrankings werden von Männern mit Kriterien für männliche Blogs gemacht
    Eine Behauptung, von der ich mehr Argumente zur Untermauerung wünsche. Leider bleibt man die uns schuldig, nach welchen Kriterien Frauenblogs anders bewertet werden sollen als es normalerweise der Fall ist. Ideen?
  5. Ein Mann kann eine instrumentelle und gleichzeitig eine emotionale Beziehung zu einer Person pflegen
    Nun, das tun Frauen meiner Ansicht nach auch. An der Stelle wird im Video leider nicht gesagt, wie diese Behauptung zustande kommt. Vermutet wird aber, dass Frauen emotionale Bindungen zu Frauen pflegen und alles was das wirtschaftlich Nützliche angeht, häufiger mit Männern kommunizieren. Ich kann das von mir nicht bestätigen – was meint Ihr?

Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien und außerdem der Ansicht, dass wir Menschen einander gleicher sind als wir allgemein hin annehmen. Stets mit dem Finger auf Geschlechtsunterschiede zu zeigen, bringt niemanden etwas – am wenigsten den Frauen selbst. Wer sich als Opfer fühlt, wird als Opfer behandelt. Gender-Themen sind für meinen Geschmack schon deswegen immer nah an der Nerv-Grenze, weil es immer nur um Frauen und um die Ungerechtigkeit im Leben geht. Dabei geht es erwiesenermaßen auch anders. Frau sollte es aber wollen – und ändern.

Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/notionscapital/4960427380/

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